Samstag, 5. November 2016

Als van Gogh malen lernte.



Dass ich noch gar nichts zu van Gogh von mir gegeben habe, wundert mich selbst. Dabei ist er mir ein Phänomen, was Sie vielleicht nicht überrascht, aber zu seinen Verehrern zähle ich trotzdem nicht. Ein Mann, der jahrelang gemalt hat, ohne wirkliches Talent erkennen zu lassen, ohne einen eigenen Gestaltungswillen; nicht einmal eine Vorliebe für irgendein Sujet wird sichtbar, alles sieht zufällig und beiläufig aus; außer: Er muss auf Teufel komm raus einen eigenen Stil malen! Er macht mal dies, mal das, aber nie das Naheliegende: das, was er sieht, einfach abzumalen, so gut er eben kann. Nein, es muss was Besonderes sein, eben was 'ganz Eigenes', und es ist, wie es unter diesen Umständen nicht anders sein kann, an den Haaren herbeigezogen und unerheblich.

Ganz schlimm wurde es, als er, nachdem er sich doch noch entschlossen hatte, Maler zu werden, nach Paris ging, mit dortigen Künstlern verkehrte und partout nicht malen wollte "wie die Impressionisten"; und doch kaum was anderes zuwege bringt, nur eben immer ganz daneben.

Bis auf die Panoramablicke über Paris von Montmartre aus. Davon malt er einige, und diesmal so, wie ein unbefangener Anfänger es tun würde: Augen aufmachen und mit Pinsel und Farbe das wiedergeben, was er vor sich hat, so 'richtig' es eben gehen will.

 



 
 

Wie soll ein eigener Stil auch anders entstehen? Ob die Blicke vom Montmartre die letzten Stücke waren,* die er in Paris gemalt hat, bevor er nach Arles ging, weiß ich nicht; unübersehbar ist aber, dass er, kaum dort unten angekommen, begonnen hat zu malen "wie van Gogh". Die ungelenken Finger tun, was die Augen wollen, als hätten sie noch nie was anderes gemacht, er probiert den ganzen Farbkasten aus, und - die Augen wollen auf einmal was!

Es geht nicht darum, ob einem die Sachen gefallen - mir gefallen die meisten nicht -, aber sie sind gut in dem Sinne, dass viel darauf zu sehen ist und man sie lange anschauen kann, ohne abgelenkt zu werden. Das ist schon ein bisschen mehr als reine Geschmackssache.


*) Sie sind es nicht, im Gegenteil: Sie stammen wohl aus dem Jahr 1886 und zählen also zu seinen ersten Pariser Stücken; entstanden, bevor er mit den Impressionisten zu tun bekam und um gar keinen Preis so malen wollte wie sie - und so erst recht unter ihren Einfluss geriet.
im März 2017

Park im Frühling, 1887

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