Montag, 9. Mai 2016

Hubert Robert im Louvre: Ruinen-Rokkoko.



aus Tagesspiegel.de, 10. 5. 2016                                   Vue imaginaire de la Grande Galerie du Louvre en ruines, 1796



Ausstellung im Pariser Louvre: der "Ruinenmaler" Hubert Robert 
Sehen und träumen
Wirklichkeit als Faszinosum: Paris zeigt eine Retrospektive des „Ruinenmalers“ Hubert Robert, der den Louvre mitbegründet hat.

von

1796 war die Schreckenszeit der Französischen Revolution, der Terror unter Robespierre, bereits vorüber. Napoleons Aufstieg vollzog sich in rasanter Geschwindigkeit. Im Jahr zuvor war das „Muséum National des Arts“ gegründet worden, das der künftige Empereur in „Musée Napoléon“ umbenennen sollte und das heute unter dem Namen seines weitläufigen Gebäudes als „der Louvre“ weltbekannt ist. Im Palais du Louvre fand alle zwei Jahre der Salon statt, die Ausstellung neuester Gemälde. Nun ging das revolutionäre Frankreich daran, im Königspalast das erste öffentliche Museum des Landes einzurichten.


Hubert Robert malte damals zwei visionäre Ansichten der „Großen Galerie“, des Hauptsaales des Museums: einmal mit großzügigen Glasdächern zur besseren Beleuchtung, wie sie erst Jahrzehnte später eingebaut wurden, und zum anderen als Ruine. Es ist diese letztere Vorstellung der teilzerstörten, doch gerade noch nutzbaren Galerie, die mit dem Namen des 1733 in Paris geborenen und dort 1808 verstorbenen Malers untrennbar verbunden ist. Robert schuf kein Schreckensbild, sondern eine friedvoll-elegische Szenerie, in der eine großartige, doch schon ferne Vergangenheit in eine bescheidene Gegenwart hinüberragt und sich die Heutigen mit dem unwiederbringlichen Verlust arrangiert haben.


Caprice antique avec la statue de Marc Aurèle

Dieses Grundmotiv einer zeitlos gewordenen Vergangenheit hat Robert, man ahnt es, in Rom für sich gewonnen. Das antike Rom war zu seinen Zeiten, da wohlhabende Touristen auf ihre „Grand Tour“ nach Italien gingen, zu einer pittoresken Sehenswürdigkeit geworden, in der Ziegen weideten, Straßenmusikanten aufspielten und englische Amateure ihrer „Anticomania“ frönten. Robert hat zehn Jahre lang in Rom gelebt und dort seine künstlerische Ausbildung betrieben, ein wenig unkonventionell und mit dem Glück wohlmeinender Protektion, ehe er 1767 mit einem großformatigen Gemälde beim Pariser Salon reüssierte: natürlich einer Ansicht Roms. Doch nicht, wie es war, sondern wie es hätte sein können, einem Capriccio unter dem Titel „Der Hafen von Rom, geschmückt mit verschiedenen Monumenten der antiken und modernen Architektur“. Das Gemälde war sein Zulassungsbild zur Königlichen Akademie der Schönen Künste, die ihn als „Architekturmaler“ aufnahm. So begann seine Karriere ihren glänzenden Verlauf.

Genremaler, Landschafter, Chronist und Gartengestalter

Nun veranstaltet der Louvre, an dessen Entstehung Robert als Mitglied der Gründungskommission unmittelbar beteiligt war, eine umfassende Retrospektive des Werks von Hubert Robert. Es ist die erste seit 1933, liest man mit Staunen – so gegenwärtig, wie Roberts Gemälde doch sind, nicht nur in Paris, sondern in Museen weltweit. Sie gelten als Inbegriff der Architekturmalerei des 18. Jahrhunderts, zumal in deren Sonderform der Ruinenmalerei. Wie verkürzt dieses gängige Etikett ist, demonstriert die mit 140 Arbeiten gut, aber angesichts eines Oeuvres von über 1000 Ölbildern doch nur ausschnitthaft bestückte Ausstellung. Sie zeigt den Genremaler, den Landschafter, den Chronisten aktueller Ereignisse und sogar den Gartengestalter und Designer.


L'incendie de Rome, ca. 1770 - 1790


In seinem römischen Jahrzehnt hat der junge Robert alles gezeichnet, was er an antiken Bauten finden konnte, dazu die Wasserfälle und Kaiservillen des nahen Tivoli, dieses Ausflugsziels jedes Rom-Reisenden. Und er lernte zwei Künstler kennen, deren Werke auf ihn unauslöschlichen Eindruck machten: den älteren Giovanni Paolo Pannini, den Vedutenmaler Roms schlechthin, und Giovanni Battista Piranesi, der die die Fantasie ganz Europas beflügelnde Grafikfolge der „Carceri“, der Kerkervisionen, 1750 veröffentlicht hatte, dazu mehrere Bände mit Darstellungen der antiken Bauten Roms und seiner Umgebung.

Die wundervollen Rötelzeichnungen Roberts – über 3000 zählt der Nachlass – verraten den lebenslangen Einfluss dieser beiden Künstler. Robert konnte Bauten wie das Pantheon oder den Konservatorenpalast nach Belieben inszenieren, kombinieren und mit Genreszenen ergänzen. Stets vermitteln sie die Illusion des tatsächlich so Gesehenen. Jede Ansicht ist glaubhaft. Und war der Maler nicht persönlich anwesend, als antike Skulpturen in einem Gewölbe entdeckt wurden, das doch nach den düsteren Umgängen des Kolosseums modelliert ist?


Caprice avec le Panthéon devant le port de Ripetta, 1761

„Der Effekt dieser Kompositionen“, bemerkte der große Aufklärer Denis Diderot bereits über Roberts Einreichungen zum „Salon“ von 1767, „besteht darin, uns in eine Stimmung sanfter Melancholie zu versetzen ... Wir ahnen die Verwüstungen der Zeitläufte voraus.“ Persönlich war Robert durchaus kein Melancholiker, er wird vielmehr als geselliger und geistvoller Mensch geschildert, der einen breiten Freundes- und Bekanntenkreis unterhielt. Mit dem Ende des Ancien régime in den Wirren der Revolution sprang auch er, der zuletzt noch ein Günstling der Königin Marie Antoinette war und von ihr mit der Gartengestaltung für Schloss Rambouillet betraut, in die unmittelbare Gegenwart. Sein Gemälde vom beginnenden Abriss des verhassten Bastille-Gefängnisses aus dem Jahr 1789 wurde zu einer Ikone der Republik. Robert geriet unter der Terrorherrschaft Robespierres selbst in Gefangenschaft; allerdings eine, in der ihm Farben und Leinwand zur Verfügung standen, um den Alltag der Häftlinge festzuhalten. Jetzt lernte er Piranesis „Carceri“ als Wirklichkeit kennen – doch zu seinem Glück, nachdem ihm als Auftragnehmer des Adels die Guillotine gedroht hatte, nur für Monate. Stattdessen beförderte er die Umwandlung des Königsschlosses zum Museum, und so setzte sich seine Laufbahn fort.

Er malte den Umbruch

Mehrfach hat er Paris gemalt, den Umbruch, der bereits vor der Revolution einsetzte. Die mittelalterlichen Wohnhäuser auf den steinernen Seine-Brücken wurden als hindernd und unhygienisch ab 1786 abgerissen, Vorboten der radikalen Umgestaltung eines Baron Haussmann. Das hat Robert in zwei Gemälden nüchtern festgehalten, ebenso wie den Bau der säulengeschmückten Chirurgie-Lehranstalt als eines Marksteins aufgeklärter Wissenschaft im Jahr 1773.


Jeunes filles dansant autour d'un obélisque, 1798

Hubert Robert war ein Dekorateur von Graden, und für zahlreiche Schlösser und Palais lieferte er passgenaue Wandgemälde. Und doch war er eben kein bloßer Schönmaler. Er verstand die römische Antike wie kaum ein Zweiter, und ebenso ihren allmählichen Verfall. Neben dem Erhabenen sah er das Alltägliche und flocht es in kleinen Genreszenen in seine großen Sujets ein. Das gibt seinen Bildern eine zutiefst menschliche Dimension. Robert ist nicht auf Überwältigung aus, schon gar nicht durch Schrecken, und wo er es versucht – nach der Lektüre von Edmund Burkes epochalem Buch „Über den Ursprung unserer Ideen vom Erhabenen und Schönen“ von 1757 –, wie beim „Brand der Oper“ von 1781, erntete er gemischte Reaktionen. Das Publikum feierte stattdessen die bildliche Zusammenstellung der „Monumente von Paris“, die Robert den so oft gemalten Monumenten des antiken Rom als ebenbürtig an die Seite stellt.


 
Projet pour la Transformation de la Grande Galerie du Louvre, 1796 

Mit dem Louvre-Kapitel schließt die Ausstellung, deren umfangreicher Katalog auf Jahrzehnte hinaus das Referenzwerk bleiben wird. Ein Kleinformat ist biografisch bedeutsam: die Darstellung des von Robert und der Kommission vorgeschlagenen Saales der römischen Skulpturen im Ende 1800 eröffneten „Musée central des arts“, wie der Louvre kurzzeitig hieß. Die Statuen stammen aus den königlichen Sammlungen. Tatsächlich erfolgte ihre Aufstellung im Louvre in anderer Weise, doch die Botschaft des Bildes ist eindeutig: Nun sind sie der Öffentlichkeit und idealiter der ganzen Welt zugänglich. Hubert Robert blieb zeitlebens ein Verfechter der Aufklärung.

Paris, Louvre, bis 30. Mai (anschließend National Gallery, Washington). Katalog (544 S.) 49 €. – Mehr unter www.louvre.fr




Sonntag, 8. Mai 2016

Niedergang der Kunstmuseen?




 aus nzz.ch,                                                                                                           Him Maurizio Cattelan.

Grasskamp über das Kunstmuseum 
Utopie des Schönen – ein Auslaufmodell 
Walter Grasskamp denkt über das Kunstmuseum als «erfolgreiche Fehlkonstruktion» nach.

 
von Hannelore Schlaffer 
 
Die NZZ hat mir rückwirkend die Verbreitung ihrer Inhalte untersagt. Ich werde sie nach und nach von meinen Blogs löschen 
Jochen Ebmeier

Walter Grasskamp: Das Kunstmuseum. Eine erfolgreiche Fehlkonstruktion. C.-H.-Beck-Verlag, München 2016. 192 S., 9 Abb.


Nota. - Zum Schluss deutet es die Rezensentin ja schon an: Das Problem des Kunstmuseums in dieser Zeit ist das Problem der zeitgenössischen Kunst - "deren Wert einer «enormen Fluktuation» unterworfen ist". Gemeint ist natürlich der Marktwert, und nur an dieser Stelle konkurrieren die Museen mit den privaten Spekulanten. Sie sind Teil des Kunstmarkts, der gar nicht beansprucht, ästhetische Werte zu etablieren, sondern nach günstigen Anlagemöglichkeiten sucht. 

Manche Künstler nehmen es hin mit philosophischer Resigation, andere machen freudig eine Tugend aus der Not, aber alle nagen sie daran, dass der Künstler heute, nachdem alles schonmal dagewesen ist, nicht mehr weiß, was er machen soll, weil er nämlich - was viel schlimmer ist - nicht weiß, für wen er es macht. Es schwant ihm, dass am Ende wohl die Kapitalanleger sein werden, von deren Gewinnen die meisten Künstler gar nichts abbekommen.

Vielleicht sollten die Museen den Ankauf neuer Stücke den Spekulanten überlassen und sich mit der Pflege des Erbes zufriedengeben. Was an den zeitgenössischen Werken was taugt, können am besten nachgeborene Generationen entscheiden, und dann werden die übriggebliebenen Stücke schon wieder auf den Markt kommen.
JE

Samstag, 7. Mai 2016

Abstrakt, aber nicht ungegenständlich.

Jean Hélion, Équilibre 1936

Es fällt schwer, in den Farb- und Hell/Dunkel-Flächen keine Köper mit Masse und Gewicht zu erkennen; und zu finden, dass sie einander irgenwie 'die Waage halten'. Man fragt sich sogar, ob nicht die linke Seite ein klein bisschen schwerer ist als die rechte.

Gedanklich enspricht es also ganz meiner Auffassung von moderner und ästhetischer Kunst. Aber es gefällt mir nicht besonders. Die Pastellfarben sind aseptisch und die Formen langweilig. Doch mein Geschmack kann sich ändern. 



 

Freitag, 6. Mai 2016

Barocker Expressionismus.

 
Giovanni Andrea Ansaldo, Enthauptung Johannes' des Täufers, 1615

Giovanni Andrea Ansaldo (1584 – 1638) was an Italian painter active mainly in Genoa, who trained under Orazio Cambiaso and possibly collaborated with Bernardo Strozzi. Two of his pupils were Giuseppe Badaracco and Bartolomeo Bassi. Ansaldo’s works are typical of the Genoese eclecticism of the early 17th century, influenced by Flemish artists such as Rubens and Anton Van Dyck and the Milanese Giovanni Battista Crespi, Giulio Cesare Procaccini and il Morazzone. The richness in colours and the use of light in his mastery is quite astounding.


Nota. - Heinrich Wölfflin hat die Vorstellung etabliert, dass es in der Kunst 'Kategorien' gäbe, die aus Gegensatzpaaren bestünden, und die Geschichte der Kunst zeichne sich dadurch aus, dass sie epochenweise zwischen diesen Polen hin und her pendele. Daher kommt auch die Auffassung, das auf eine 'klassizistische' Phase stets eine 'expressionistische' folge; auf die klassizistische Renaissance etwa das expressive Barock. 

Unmittelbar ist freilich die Barockmalerei aus Caravaggios realistischer und Guido Renis... klassizistischer Wendung gegen den geziert expressiven Manierismus entstanden; der Zug zum Expressiven kam erst in der folgenden Generation dazu; vorbereitet freilich im dramatischen Chiaroscuro.

Das ist schematisch ausgedrückt. En détail lassen sich immer eine Menge Ausnahmen von der groben Regel anführen. So das obige Stück. Das ist kein spät-, sondern ein früh-, um nicht zu sagen ein vorbarockes Stück; manieristisch verdreht, in knalligen Farben und... krassem Hell-Dunkel! Wenn der Kenner vielleicht auch meint, dem barocken 'Stil' sei es noch nicht zuzuordnen: Den barocken Geschmack nimmt es aber schon vorweg. 
JE




Mittwoch, 4. Mai 2016

Wie ich zur Landschaft gekommen bin.


 Turner, Strandräuber – Die Küste von Northumberland, 1834

Eben bin ich in meinem Schreibtisch auf einen Textentwurf gestoßen, der aus dem Sommer 2005 stammen dürfte und in dem ich mich zum erstenmal thematisch mit der Rolle der Landschaft für die Ästhetik befasst habe. Anlass war der Essay Landschaft. Die Funktion des Ästhetischen in der modernen Gesellschaft  von Joachim Ritter.* Im Kopf gespunkt hatte es mir seit langem, ausgehend von der Redensart, William Turner habe "die Gegenständlichkeit überwunden", was offenkundig Unfug ist; allerdings hat er 'das Gegenständliche am Gegenstand' überwunden und vom Gegenstand nur den ästhetischen Schein übrigbehalten. Das hätte er nicht gekonnt, hätte er sich eben nicht auf die Landschaft konzentriert.  

Gegen Ritter, bei dem das Ästhetische wie ein Ersatz für die verlorene Ganzheit erscheint, wollte ich selber einen Aufsatz schreiben, in dem ich das Ästhetische vielmehr als ein qualitativ Neues darstellte, das die bürgerliche Kultur in die Welt gesetzt hat. Ein erstes Konzept und ein paar einleitende Sätze habe ich auch gleich zu Papier gebracht.

Aber ich bin kein Kunsthistoriker, es schien ratsam, mich – wenigstens mit den Augen – vorher noch ein wenig in den Stoff zu vertiefen, und so beschied ich mich zunächst einmal mit einer didaktischen Bildergalerie...

Dabei ist es bis heute geblieben. 

Gerrit Berckheyde Ansicht der Gouden Bocht in der Herengracht in Amsterdam, um 1672.

[Landschaft, oder Die Emergenz des Ästhetischen]

I. Joachim Ritter: mit der Verzweckung alias Rationalisierung der Welt 'entsteht' das Ästhetische als Medium, um das aus dem theoretischen Begriff entschwundene 'Ganze des Kosmos' wiederherzustellen. The turning point: Entdeckung der Landschaft als "schön", namentlich im 18. Jahrhundert (engl. Gärten). – Daran anknüpfend:

II. Odo Marquards "Kompensationstheorie"...

III. Nein: das Ästhetische ist nicht Kompensation, sondern Residuum. Kant ('Weltgeschichte in weltbürgerlicher Absicht'): Kultur entwickelt sich in "Antagonismen", aufgenommen von Schiller ('Ästhetische Erziehung des Menschen') In der Arbeitsgesellschaft prägt sich die Einbildungskraft einseitig zum "Verstand" aus: als das Vermögen, Verhältnisse zu beurteilen – nämlich als "zweckmäßige" alias "Ursache-Wirkungs-Verhältnis". Es ist das Vermögen des Vermittelns. Qualitäten treten dagegen in den Hintergrund; d.h. werden in komplexe Quantitäten aufgelöst. Sie "beurteilen" wird reduziert auf: sie vermessen. Der "Sinn für Qualität" wird an den Rand des Wahrnehmungsfeldes (= 'Realität'/Kausalverhältnis) gedrängt: Er "geht unter"; überwintert als "Sinn für das Schöne", ein luxuriöser Überrest, auf den man auch gleich ganz verzichten kann.

IV. Ästhetische Kunst (ab Renaissance) ist darum etwas Anderes als die vorangegangenen 'Kunst'-Arten [dies gg. Gadamer]: das Ästhetische in specie ist: "Eigenbedeutsamkeit" der Wahrnehmung; Immanenz.

V. Ende der Arbeitsgesellschaft: Frei-Setzung des Ästhetischen die Qualitäten "tauchen wieder auf"

1) aus der Einbildungskraft...

2) in die Urteilskraft
beides östhetische Vermögen: Qualitäten nicht "vermitteln", sondern anschauen



Landschaft, oder Die Emergenz des Ästhetischen

Dieser Aufsatz knüpft an die fast gleichnamige Arbeit an, die Joachim Ritter 1960 bei der Übernahme des Rektorats der Universität Münster vorgertagen hat – und der kleine Unterschied im Titel bezeichnet seinen Inhalt. Von der Funktion der Ästhetik für die moderne Gesellschaft sprach Joachim Ritter, doch das Eigentümliche des Ästhetischen ist es eben, dass es als solches keine Funktion hat, und wenn es im wirklichen Leben doch auch Diesem oder Jenem 'dient', dann nur, weil es nicht als solches in Erscheinung tritt, sondern immer erst 'an' irgendeinem Andern, und es ist dieses andere, das das Ästhetische fungibel macht, nicht 'es selbst'. Das war aber der eine grundlegende Gedanke Ritters: dass in den modernen Gesellschaften das Ästhetische an eine Stelle rückt, der zuvor von der Metaphysik gehalten und nun vakant geworden war. Gegen diesen Gedanken wenden sich meine Ausführungen. Dass das Ästhetische als solches, nämlich unerachtet seiner außerästhetischen Verquickungen, ein Gegenstand der Wahrnehmung wird, ist in der Tat ein Charakteristikum der Moderne. Aber es ist ein Novum und kein Ersatz für etwas Immer-schon-Dagewesenes. 

I. 

Der andere grundlegende Gedanke Ritters war dies, dass es zuerst die Entdeckung der Landschaft durch die bildenden Künste war, die das Ästhetische ... befreit... 

*) Landschaft. Zur Funktion des Ästhetischen in der modernen Gesellschaft. Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster, Heft 54; 1963, Münster. Wieder abgedruckt in: Ders. (1974): Subjektivität. Sechs Aufsätze. Frankfurt/M.
 
Pravoslav Sovak, White Sheet, 1972–94, Aquarell, Gouache, Bleistift auf Papier

Montag, 2. Mai 2016

Pravoslav Sovak im Kunsthaus Zug

aus nzz.ch, 28.4.2016                                                       Walls VII, 1992-1996, Aquarell, Gouache, Bleistift auf Papier


 
Indirekte Botschaften
Das Kunsthaus Zug widmet dem heute 90-jährigen Pravoslav Sovak die erste Retrospektive in der Schweiz und stellt ein so vielfältiges wie kohärentes Lebenswerk vor.

von Caroline Kesser

Die NZZ hat mir rückwirkend die Verbreitung ihrer Inhalte untersagt. Ich werde sie nach und nach von meinen Blogs löschen. 

Once, 1967, Radierung, Vernis mou, Kaltnadel, Lack

Walls IV – In Construction, 1990.  






West Coast CA., 1990, Farbradierung, Fotogravure, Kaltnadel; aquarelliert. (Bild: Pravoslav Sovak)

Cliffs, 2000, Aquarell, Bleistift,

Lyric Cliffs, 1977, Gouache, Bleistift,


 Legendary Cliffs, 1983-1990
Walls III, 1989-1992, Aquarell, Gouache, Bleistift auf Papier,

Pravoslav Sovak – eine Retrospektive. Kunsthaus Zug. Bis 29. Mai 2016.

 Bacon – Yellow Shoes, 1986-2000, Radierung, aquarelliert


Nota. - Es sieht aus, als müsste er das tun, was er macht, und als ließe er sich trotzdem jedesmal überraschen von dem, was dabei herauskommt. So stellen Klein Fritzchen und ich sich einen Künstler vor. Unabhängig davon, ob es einem gefällt, wird man doch immer finden, dass es was taugt.

In diesem Fall gefällts mir auch.
JE