Sonntag, 7. Mai 2017

Nachtrag zu den amerikanischen Impressionisten.

John Singer Sargent, Corner of a Garden, c. 1870

In meinen Einträgen zu den amerikanische Impressionisten hatte ich eine Beobachtung vergessen, die ich seither nachtragen wollte und dazu keine passende Gelegenheit fand. Dies hier ist sie.

Der Impressionismus hat die amerikanischen Malerei womöglich nachhaltiger geprägt als die europäische. Mit einer erheb- lichen Einschränkung: Es ist der Malstil, der sie geprägt hat, die Faktur, die Art und Weise, den Pinsel zu führen, das Flirren und Flackern der Farben. Das, was aber der ursprüngliche ästhetische Antrieb des Impressionismus war: den unmittelbaren flüchtigen sinnlichen Moment 'einzufangen' und festzuhalten - die Beleuchtung! -, ist bei den Amerikanern nicht mehr sichtbar. Es ist vielmehr die Landschaft selbst, und zwar die amerikanische, die das Sujet der Bilder ausmacht, als die 'Im- pression'; oder genauer gesagt: Es ist weniger die Flüchtigkeit des Ästhetischen als vielmehr das Ästhetische als Gestalt.

Der 'Tonalismus' war eine spezifisch amerikanische Sonderform des Impressionismus. Aber was war das Spezifische daran? Das habe ich mich gefragt, und eben fiel mir in Singer Sargents obigen Garteinbild auf: Das wars. Es ist alles mehr auf Dauer gemeint als bei den Franzosen. In Frankreich mussten die Fauvisten mit dem Impressionismus gewissermaßen brechen; der Kanadier Tom Thomson konnte  an seine Impressionisten
bruchlos anknüpfen. Er hat damit allerdings auch keinen Stil begründet, er blieb ohne Nachahmer.



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