Dienstag, 7. August 2018

Zwei Ästhetiken in einem Bild.

Emilio Sánchez Perrier - Alcalá de Guadaíra, near Seville

After finding success in his native Andalusia, Emilio Sánchez Perrier (1855 - 1907) moved to Paris in 1879 and joined the ateliers of Jean-Léon Gérôme and Félix Ziem. The synthesis of Gérôme's traditional academic training and Ziem's expressive, naturalistic and Impressionistic approach is evident in Sánchez Perrier’s exquisitely rendered landscapes.
aus Gandalf's Gallery

Félix Ziem - ein später Vertreter der Schule von Barbizon; Jean-Léon Jérôme - der bedeutendste Repräsentant der Salon-Malerei. Bei Sánchez Perrier verbindet sich die akribische Präzision des Einen mit der tonalen Großflächigkeit von Corot und seinen Nachfolgern von Pissarro bis Cézanne. Bei einem Einzigen ist das originell. Hätte er Schule gemacht, würde man sagen: sterile Manier.



 

Montag, 6. August 2018

Empirische Ästhetik.

Isaac Levitan, Birkenhain 
aus derStandard.at, 6. August 2018, 08:30

Was wir schön finden: 
Bei der Natur sind wir uns einig, nicht aber in der Kunst
Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Menschen urteilen über natürliche Objekte einheitlicher als über kulturelle Werk

Frankfurt am Main – Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Aus wissenschaftlicher Sicht trifft diese gängige Aussage zumindest teilweise zu, wie neue Forschungen zeigen. In einer Reihe von Experimenten wurden Studienteilnehmer gebeten, sich Bilder verschiedener ästhetischer Bereiche anzusehen. Diese reichten von menschlichen Gesichtern über Naturlandschaften bis zu Architektur und Kunstwerken.

Die Probanden sollten bewerten, wie ästhetisch ansprechend sie die Bilder fanden. In einer zweiten Aufgabe mussten sie sich mehr anstrengen, um durch schnelles Drücken von Tasten ihre Lieblingsbilder länger auf dem Bildschirm angezeigt zu halten. Während die erste Aufgabe darauf abzielte, die "Vorliebe" der Teilnehmer für das, was sie sahen, zu beurteilen, maß die zweite Aufgabe den Grad des "Begehrens". Anhand der beiden Aufgaben haben die Forscher dann den Grad des "gemeinsamen Geschmacks" für jeden Bereich, aus dem die Bilder entstammten, gemessen – also das Maß, in dem sich die Menschen darüber einig waren, was sie sehen wollten.

Unterschiedliche Kunstgeschmäcker

Beide Aufgaben zeigten, dass es die größten Übereinstimmungen im gemeinsamen Geschmack bei Gesichtern gibt, gefolgt von Naturlandschaften. Wenn es um Gesichter und Landschaften geht, tendieren unterschiedliche Menschen offensichtlich dazu, das Gleiche zu mögen. Anders sieht die Sache bei Architektur oder Kunstwerken aus. Hier gab es kaum Überschneidungen im Geschmack. Was das Lieblingskunstwerk einer Person war, war für eine andere durchaus das unbeliebteste.

Die nun in der Fachzeitschrift "Cognition" veröffentlichten Studienergebnisse weisen auf einen grundlegenden Unter- schied zwischen natürlich vorkommenden ästhetischen Bereichen und Artefakten der menschlichen Kultur hin. "Ver- schiedene Menschen neigen dazu, auf natürlich vorkommende ästhetische Kategorien auf ähnliche Weise zu reagieren", sagt Edward Vessel, Neurowissenschafter am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik und Hauptautor der Studie, "aber sie reagieren sehr individuell auf Artefakte, also auf von Menschen geschaffene Werke."

Relevanz im Alltag

Obwohl nicht klar ist, was genau den Unterschied zwischen natürlich vorkommenden ästhetischen Bereichen und kultu- rellen Artefakten ausmacht, argumentieren die Autoren der Studie, dass dieser Unterschied etwas mit der Relevanz der verschiedenen Bereiche für das menschliche Alltagsverhalten zu tun haben könnte. "Ästhetische Urteile über Gesichter und Landschaften haben vielleicht eher konkrete Konsequenzen für unsere täglichen Entscheidungen als Urteile über Kunstwerke oder Architektur", vermutet Vessel.

Dies führe vermutlich dazu, dass verschiedene Menschen bei Gesichtern und Landschaften ähnliche Merkmale schätzen. Aus früheren Studien ist bekannt, dass Menschen – unabhängig von Ethnie und kulturellem Hintergrund – Gesichter bevorzugen, die symmetrisch sind und besonders männlich beziehungsweise weiblich ausgeprägt sind. Bei Landschaften wiederum werden allgemein offene Ausblicke, das Vorhandensein von Wasser und Anzeichen für menschliche Nutzung positiv bewertet.

Dass dagegen die Alltagsrelevanz von Kunst und Architektur nicht immer sofort erkennbar ist, könnte dazu führen, dass hier die meisten Menschen nicht zu einem übereinstimmenden Urteil gelangen. In weiteren Studien am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt will Vessel der Frage nachgehen, ob und inwiefern das menschliche Gehirn auf unterschiedliche Weise auf diese verschiedenen ästhetischen Bereiche reagiert. (red,)



Abstract
Cognition: "Stronger shared taste for natural aesthetic domains than for artifacts of human culture."




Nota. - Das Kreuz ist, dass, wo 'empirische' Ästhetik gesagt wird, evolutionäre* Ästhetitk gemeint ist. Und dies nach der durchaus irrigen Maßgabe, dass 'das Ästhetische' als dem unteren Erkenntnisvermögen angehörend eine unserer primiti- veren geistigen Verrichtungen sei. Denn nur so ist verständlich, dass manche ästhetischen Leistungen als mehr und andere als weniger der Auslese der am besten Geeigneten unterworfen aufgefasst werden! Gewissermaßen 'noch mehr der Natur angehörig' als der Kultur. Maßstab ist handgreiflicher Nutzen auf der ersten semantischen Ebene. 

Wohl kommt es dem Individuum, sobald es darauf reflektiert, so vor, als sei das Urteil gefällt! oder gefällt nicht vor aller sachlichen Erwägung gefallen. Wir wissen aber, dass die zivilisierte Menschheit seit gut zehntausend Jahren in der selbst- geschaffenen Kulturnische der Arbeitsgesellschaft zugebracht hat. Die Frage Wozu taugt es? ist ihr längst habituell ge- worden. Um die Frage, ob es gefällt, im Bewusstsein als primär zu empfingen, muss das Individuum bereits von der vor-bewusst vor-gängigen Frage, wozu es taugt, abgesehen haben. 

Ästhetische Urteile arglos auf der ersten semantischen Ebene anzusiedeln, ist unter dieser mehrfachen Bedingtheit nicht angemessen. Das Sinnliche kam evolutionär zweifellos vor dem Kognitiven. Doch heute ist unser Gehirn ein Ganzes und eine seiner Leistungen ist so 'rezent' wie jede andere. Was immer sinnlich wahrgenommen wird, ist bereits mehrfach re- flektiert und gehört selber sozusagen schon einer zweiten semantischen Ebene an.* 'Dies und jenes ist' empfinden nur noch Kinder, deren Akkulturation eben erst begonnen hat. 'Dies und jenes ist so' empfinden wir alle, wir nehmen alles wahr, als sei es schon, wenn auch unvollständig, so oder so bestimmt, und von der Bestimmtheit zu abstrahieren ist ein sekundärer Akt.

Nun kommen wir zwar zu demselben sachlichen Ergebnis, aber es bedeutet ganz etwas anderes. An dem nackten Gesicht mir gegenüber und an einer Naturlandschaft vor mir muss ich nicht von viel Bedingtheit abstrahieren, sie tritt mir nicht in den Weg und sticht mich nicht ins Auge. Meine Abstraktionsleistung ist eine kleine. Je mehr sich der Anblick unserer überkomplexen Alltagwirklichkeit annähert, umso aufwendiger wird das Absehen. Um so schwieriger wird es, über die Bestimmungen, die andere an den sichtbaren Objekten längst vorgenommen, hinweg zu sehen und das heraus zu suchen, was ich so ansehen kann, als ob es (noch) aller Bestimmtheit ledig sei.** Soll ich mich selber aller Absicht enthalten, muss ich mir erst die Absichten der andern aus dem Blick schaffen.

In der bildenden Kunst kippt die Sache nun wieder um. Ein Bild, eine Skulptur hat einen Gegenstand. Das ist eine erste Reflexion, von der nicht abstrahierbar ist. Habe ich nun diesen Gegenstand zu bestimmen oder kann ich mir das versa- gen? Je 'gegenständlicher' das Bild, umso mühseliger.... usw. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts erzählten alle Bilder - sofern sie nicht bloße Landschaft als Gegenstand hatten - eine Geschichte. Erst als sich die Malerei dank der Landschaft vom Geschichtenerzählen und schließlich von den Gegenständen selbst gelöst hatte, können die Bilder rein ästhetisch aufgefasst werden. Und seither gehen die Dispute der Kenner gar nicht mehr um Geschmackssachen, sondern darum, ob dieses oder jenes abzubilden "überhaupt noch Kunst ist". 

Denn merke: Über Geschmack lässt sich vortrefflich streiten. Das haben die alten Römer auch gar nicht bestritten. Sie haben nur gesagt, über Geschmack ließe sich nicht disputieren - nämlich mit Argumenten streiten. Und in der Tat: Beim Argumentieren geht es ums Bestimmen; und das kommt bei Geschmacksfragen immer zu spät.
JE


*) Der evolutionistischen Betrachtung der Ästhetik steht prima facie im Weg, dass Weniges im Menschen so veränderlich und so leicht zu kultivieren ist wie eben - sein Geschmack.

**) In Fichtes Wissenschaftslehre wird zwischen 'Gefühl' und 'Anschauung' streng unterschieden: das Anschauen eines Dings als Dieses ist eine erste Reflxionsbestimmung. 

***) Das gelingt überraschend gut bei den Bildern der amerikanischen Hyperrealisten. Die sehen so hyperbestimmt aus, dass man schon gar nicht mehr wissen will, als was es bestimmt werden soll; und das ist Unbestimmtheit von hinten. 

Sonntag, 22. Juli 2018

"Ohrmuschelstil".

Adam van Vianen, The Memorial Guild Cup - a Silver-gilt Ewer with Lid, Utrecht 1614

The auricular style or lobate style (Dutch: Kwabstijl, German:Ohrmuschelstil) is a style of ornamental decoration, mainly found in Northern Europe in the first half of the 17th century, bridging Northern Mannerism and the Baroque. The style was especially important and effective in silversmithing, but was also used in minor architectural ornamentation such as door and window reveals, picture frames, and a wide variety of the decorative arts. It uses softly flowing abstract shapes in relief, sometimes asymmetrical, whose resemblance to the side view of the human ear gives it its name, or at least its "undulating, slithery and boneless forms occasionally carry a suggestion of the inside of an ear or a conch shell". It is often associated with stylized marine animal forms, or ambiguous masks and shapes that might be such, which seem to emerge from the rippling, fluid background, as if the silver remained in its molten state.

In some other European languages the style is covered by the local equivalent of the term cartilage baroque, so called because the forms may resemble cartilage (e.g. Knorpelbarock in German, bruskbarokk in Norwegian, bruskbarok in Danish). But these terms may be rather widely and vaguely applied to a bewildering range of styles of Northern Mannerist and Baroque ornament. In Dutch a "dolphin and mollusk" style is mentioned.
 
wikipedia
 
 
Adam van Vianen, Constighe Modellen


Johannes Lutma,  Detail van een schaal, 1653.

 
Lutma

 
Lutma, Detail of brass choir-screen, Nieuwe Kerk, Amsterdam

Nota. - Surreal aufgefasster Antoní Gaudí, möchte man sagen: aber in ganz kleiner Form und gar nicht genialisch gemeint - ein Vierteljahrtausend zuvor.
JE


 

Donnerstag, 19. Juli 2018

Der Grund des Ästhetischen ist das Staunen.

lomboki

Ist einmal das Auffassen nicht möglich, so entsteht ein Staunen, welches der Grund des Erhabenen ist.
___________________________________________________
J. G. Fichte, Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 57


Nota. - Bei Kant kam das Erhabene etwas verlegen hinter dem Schönen hergehinkt, Schelling stellte es gleich- berechtigt an seine Seite, und bei den Modernen, heißt es seit Adorno, träte es geradezu an seine Stelle. - Da ist was dran, und wenn man das Ästhetische nicht auffasst als etwas, das immer gegeben war, sondern als etwas, das immer erst werden muss, dann könnte man obige Fichte-Stelle als Grund-Satz für eine Theorie der Ästhe- tik ansehen: im Unterschied nämlich zu einer Theorie des Wissens.

PS. - Dass den Römern der Satz Nil admirari als maßgebende Lebensweisheit galt, weist darauf hin, wieso sie in ästhetischen Dingen nie aus dem Schatten der Griechen heraustreten konnten.

PPS. - Könnte man nicht der Charakter einer Nation danach beurteilen, ob ihre Sprache für das Staunen ein treffendes Wort hat?

PPPS. - ...und verstünde man besser, warum Joh. Fr. Herbart ausgerechnet die 'ästhetische Darstellung der Welt' für die eigentlichste Angelegenheit der Pädagogik nehmen konnte.

PPPPS. - Und schließlich wäre auch der Anfang aller Philosophie ein ästhetischer (und die Römer konnten ihn nie finden).

31. 8. 15


Admirari - daher kommt frz. admirer - bewundern. Es ist die elementare Gemütsbewegung eines Menschen, in dessen Wahr- nehmung etwas aus der Selbstverständlichkeit herausspringt - und dadurch zu einem Etwas über- haupt erst wird, das sich vom Einerlei des Selbstverständlichen unterscheiden lässt. 

Wir stellen uns einen Hominiden vor, der zum erstenmal seine Urwaldnische verlässt. Dort war alles an seinem Platz, jetzt ist die Welt ein Chaos, das so ununterscheidbar ist wie die selbstverständliche Umwelt zuvor; unter- scheidbar sind allenfalls die Etwasse, die die Erinnerungsspur des Urwalds an sich tragen und auf einmal Er- heblichkeit gewinnen: "Ach, das war das!" Es ist der Ur-Sprung des Geistes: das Entstehen einer Bedeutung  für mich. Das ist allerdings ein Wunder, une merveille, a marvel

Unbestimmt, bestimmbar waren die selbstverständliche Urwaldnische und das ursprüngliche Chaos der offenen Welt. Das bestaunte Wunderding ist indessen vor-bestimmt: als zu-bestimmen durch mich.

Bis hierher ist noch kein Anlass, ästhetisch-Sinnliches von kognitiv-Logischem zu unterscheiden. Das wird erst nöitg in dem Fall, wo ein Zubestimmendes sich meinem Bestimmenwollen dauerhaft widersetzt. Dass es da ist, können meines Sinne nicht bezweifeln, doch was es ist, kann meine Intelligenz nicht feststellen. Und wieder muss ich mich wundern, vorm Hintergrund alles mehr oder minder Bestimmten; ein Wundern zweiten Grades: das ästhetische Erleben. Ob ich das, was bewundert wird, das Schöne oder das Erhabene nenne, ist offenbar nur eine Frage des Zeitgeschmacks.

Das ist eine Märchenerzählung?

Genau! Der Sinn einer Geschichte ist nicht die Geschichte selbst, sondern eine andere Geschichte.

18. 7. 18 



Sonntag, 15. Juli 2018

Ist Musikalität angeboren oder erworben?

aus Die Presse, Wien, 14.07.2018

Ist Musikalität angeboren?
Ist hohe Musikalität angeboren oder anerzogen? Kanadische Forscher nahmen nun einen neuen Anlauf zur Beantwortung dieser alten Frage – mit einem interessanten Ergebnis.

von

Warum haben manche Menschen besondere musikalische Fähigkeiten und andere nicht? Ist dafür eine angeborene Begabung hauptverantwortlich? Oder sind Höchstleistungen eher das Ergebnis einer guten Ausbildung und fleißigen Übens? Diese Debatte um Anlage versus Umwelt – im Englischen griffig als „nature vs. nurture“ bezeichnet – wird seit Langem hitzig geführt. Die vielen Studien zum Thema ergeben keine klare Antwort. Sogar vergleichende Untersuchun- gen an Zwillingen zeigten kein einheitliches Bild. 


Psychologen und Musikwissenschaftler der University of Toronto haben nun einen anderen Zugang zur Musikalität ver- sucht, der das Problem elegant umschifft. Sie konzentrieren sich stattdessen auf die „musikalische Kompetenz“, die sie durch die Leistungen bei einem einfachen Test definieren: Den Probanden wurden zwei Abfolgen von Tönen bzw. Rhyth- men vorgespielt, sie mussten entscheiden, ob die beiden identisch waren oder ob es Unterschiede gab. Das haben sie bei 84 Studenten getestet – die zudem auf andere psychologische und kognitive Parameter hin überprüft wurden und von denen überdies sozioökonomische Faktoren (etwa Bildung und Einkommen der Eltern) und deren Musikausbildung erhoben wurden. 
 
Die Ergebnisse waren überraschend eindeutig: Die musikalische Kompetenz war bei jenen Studenten höher, die über eine gewisse musikalische Ausbildung verfügten. Aber als noch wichtiger erwies sich die Kombination von drei nicht-musika- lischen Faktoren: der Offenheit der Persönlichkeit, der sozioökonomischen Lage und der allgemeinen kognitiven Leis- tungsfähigkeit – v. a. nonverbale Intelligenz und Kurzzeitgedächtnis (Scientific Reports, 15. 6.). Noch überraschender war, dass die Intelligenz auch für sich gesehen wichtiger war als eine etwaige musikalische Vorbildung. 
 
Man kann sich jetzt natürlich fragen, ob diese erklärenden Faktoren eher angeboren oder erworben sind. Bei der Intelli- genz gibt es eine starke genetische Komponente, ebenso bei der Persönlichkeitsstruktur. Weniger klar ist das hingegen beim sozioökonomischen Status. Wer also aus der Studie der kanadischen Forscher eine Antwort auf das alte Problem gewinnen will, wird erneut enttäuscht. 
 
Für die Praxis ist das freilich nur mäßig relevant: Wer Freude an Musik verspürt, der soll doch bitte musizieren. Und wer seine musikalischen Fähigkeiten verbessern will, dem bleibt nichts anderes übrig als fleißig zu üben. 


Nota I. - Wichtiger als die Frage, wieviel angeboren ist erworben und wieviel erworben ist, ist das Erscheinen eines offenbar engen Verhältnisses zwischen Musikalität und Intelligenz. Es drängt sich nämlich die Anschlussfrage auf, ob sie nicht Fleisch vom selben Fleisch und Blut vom selben Blut sind - und dass ihr Unterschied lediglich darin besteht, auf welchem Feld, an welche Aufgabe und welchen Gegenstand sie verwendet werden. Dann mag der Unterschied immer noch sei's im Gegenstand, sei's in der Absicht des Subjekt liegen; aber die Vorstellung von zwei autonomen 'Trieben' oder 'Vermögen' wäre abgetan.

Dass auf das Üben, nämlich das Ausüben nicht zu verzichten ist, gilt unter der Annahme der Erworbenheit ebenso wie unter deer des Angeborenseins; eben nur mal mehr, mal weniger. Und dass man schlechterdings nicht wissen kann, wie- viel im Einzelnen, besagt nur, was die Lebenserfahrung schon immer gelehrt hat: Es ist alles relativ, man muss eben versuchen, das Beste draus zu machen. (Und Übertreiben bringt gar nichts.)

Nota II. - Ob Sie's glauben oder nicht - Katzen haben tatsächlich ein Faible für den Klang des Klaviers.
JE